Reisebeschreibungen des Rheins

Zusammenfassung des Vortrages „Städtelob und Reiseerfahrung. Überlegungen zur Analyse spätmittelalterlicher Reisebeschreibungen des Rheins“.

 

Im Rahmen des kulturwissenschaftlichen Kolloquiums hat Alain Michel Keller einen Teil seines Promotionsprojekts „Stadt, Land, Fluss, Mensch. Eine Wahrnehmungsgeschichte des Rheins am Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit“ vorgestellt.

 

Hier sollen die zentralen Aspekte des Vortrages nun zusammengefasst wiedergegeben werden.

Die zentrale Frage bei der Beschäftigung mit diesem Thema ist, wie vormoderne Reisende den Rhein wahrnahmen. Dabei geht es vor allem um die Außenwahrnehmung der Städte entlang des Rheins unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Rhein, bevor er in der Romantik Sujet zahlreicher Kunstwerke wurde, vor allem als bedeutende Verkehrsachse wahrgenommen wurde. Zudem sind die biographischen Hintergründe der Verfasser der Reiseberichte von besonderer Bedeutung, da sie Rückschlüsse auf die Echtheit der Reiseberichte zulassen. Zwischen der wahren Beobachtung und dem sog. Städtelob besteht ein bemerkenswerter Unterschied, darum ist die Beschäftigung mit dem Städtelob von zentraler Bedeutung.

Alain Michel Keller möchte untersuchen, inwiefern die literarische Tradition des Städtelobs für die Darstellung von Reiseerlebnissen prägend ist. Für das Städtelob, das sich aus der in der Antike bekannten Lobreden auf Personen entwickelte, sind folgende Aspekte kennzeichnend: Beschreibung der Lage der Stadt (regionale Umgebung), Ursprung/Gründung der Stadt, besondere Gebäude und Einrichtungen sowie besondere Leistungen einzelner Bürger. Es gab Muster, die die meisten der Verfasser berücksichtigten, darum scheinen viele dieser Texte recht ähnlich. Zudem wurde das Städtelob in den Kosmographien, Historiographien und Topographien des 16. Jahrhunderts statischer. Die Städte wurden stets nach dem gleichen Muster und im gleichen Wortlaut ziemlich einheitlich beschrieben. Die Beschreibungen hatten stets einen positiven Tenor, es wurde nur eine Auswahl (nämlich die, die der Autor darüber traf, was erwähnenswert sei) beschrieben und es wurde stets das Charakteristische und Typische beschrieben.

Auch die Gründe, die die Menschen veranlassten eine Reise anzutreten sind von Interesse. Neben religiösen Gründen, waren es auch damals schon berufliche Gründe, die die Menschen zwangen auch größere Distanzen zu überwinden. Aber auch Neugier brachte die Menschen dazu, der Heimat für eine gewisse Zeit den Rücken zu kehren. Auch die Augenzeugenschaft spielt stets eine wichtige Rolle. Reiseerlebnisse wurden somit stets sehr subjektiv beschrieben und sind somit auch als Selbstzeugnisse der Verfasser zu verstehen.

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