Reisebericht über Korea

Reflexionen zum Vortrag von Jihee Hong: „Ein verschlossenes Land: Reisen nach Corea“ (1880) von Ernst Jakob Oppert – der erste Reisebericht über Korea.

Interview mit Jihee Hong-

Einer Vermittlerin zwischen zwei Kulturen

von Juliane Vack und Kira Idesheim

Wie entstand dein Interesse am Thema „der erste Reisebericht über Corea von Ernst Jakob Oppert“ und welche persönliche Bedeutung hat dein Forschungsthema für dich?

J.H.:Auf diese beiden Fragen kann ich zusammen antworten. Schon am Anfang meines Studiums haben mich die Leute immer wieder gefragt, warum ich Germanistik studieren will, weil die Zahl der Germanistik-StudentInnen in Korea die letzten Jahre stark gesunken sei. Ich wusste auch nicht ganz genau, warum, aber irgendwie fand ich die deutsche Sprache, die ich in der Schule zum ersten Mal gelernt habe, sehr schön und habe mich für Germanistik entschieden. Damals wusste ich nicht, dass ich in Germanistik auch noch promovieren werde. Als ich nach einem Forschungsthema gesucht habe, tauchte diese Frage wieder auf: Warum will ich als Koreanerin in der Germanistik promovieren? Ich habe gedacht, dass ich einen gemeinsamen Punkt zwischen den beiden Ländern finden sollte und so kam ich zum Thema „Verschriftlichte Wahrnehmung deutschen Koreareisender“. Beim Recherchieren habe ich zum ersten Mal gewusst, dass Oppert trotz seines unmoralischen Verhaltens einen ersten deutschsprachigen Reisebericht über Korea geschrieben hat. Das Buch war hochinteressant und enthielt umfangreiche Informationen von Korea im 19. Jahrhundert. Trotzdem wurde der Reisebericht in der Literaturwissenschaft bis jetzt kaum untersucht. Deswegen habe ich gedacht, dass das Werk unbedingt mein Ausgangspunkt sein soll.

 

Welche Erkenntnisse deiner Forschung haben dich am meisten beeindruckt?

J.H.:Man denkt, dass es nicht so viele Reiseberichte von deutschen Koreareisenden gibt. Von 1832 bis 1914 wurden aber immerhin zehn Bücher veröffentlicht und es gab zwölf weitere Reise­berichte oder Aufsätze, die von Missionaren, Diplomaten und Händlern verfasst worden sind. Es ist interessant, dass damals schon einige Deutsche nach Korea kamen und über das Land so ausführlich geschrieben haben. Für mich ist es wirklich hochspannend mein Heimatland durch andere Augen neu zu sehen.

 

Du beschäftigest dich mit historischen Reiseberichten. Nutzt du auch privat selbst Reiseführer? Und wenn ja: greifst du bei Gelegenheit auch auf historische Berichte zurück, um dich über ein Reiseziel zu informieren?

J.H.:Als ich 2003 für einen Sprachkurs zum ersten Mal nach Deutschland kam, hatte ich auch einen Reiseführer dabei. Damit habe ich ein paar Städte besucht, z. B. Heidelberg, München usw. Aber zurzeit benutze ich Quellen im Internet mehr als Reiseführer, um mich über ein Reiseziel zu informieren. Für diesen Zweck habe ich bis jetzt nie auf historische Berichte zurückgegriffen. Aber das wäre vielleicht doch interessant, ich möchte das gerne mal ausprobieren.

 

Wie schätzt du die Bedeutung bzw. Relevanz von historischen Reiseberichten im Vergleich zu „modernen“ Reiseführern ein (z.B. in Bezug auf Glaubwürdigkeit oder den informellen Anspruch)?

J.H.:Im 19. Jahrhundert gab es noch keine Reiseführer über Asien, nur Reiseberichte. Im Vergleich zum 17. Jahrhundert sind die Reiseberichte vom 19. Jahrhundert schon viel glaubwürdiger, und die Reisenden haben tatsächlich versucht, nur das zu schreiben, was sie gesehen oder erfahren haben. Weil diese nicht nur Informationen, sondern auch subjektive Wahrnehmungen über ein Land enthielten, sollte man das schon berücksichtigen. Aber ansonsten haben die historischen Reiseberichte eine wichtigere Bedeutung als informelle Quellen.

 

Welchen Aspekt deiner Forschung findest du kulturwissenschaftlich für besonders relevant?

J.H.:Bei der Reiseberichtsforschung spielt die Eigen- und Fremdwahrnehmung immer eine wichtige Rolle. Es treffen immer mindestens zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, deshalb sollte das auch von beiden Perspektiven untersucht werden. Ich finde wichtig, dass ich als Koreanerin diese verschriftlichte Wahrnehmung von deutschen Koreareisenden untersuche.

 

Wie geht es mit deiner Forschung weiter?/Welche thematischen Interessen möchtest du noch verfolgen?

J.H.:Nach meinem Vortrag beschäftige ich mich mit einem andern Reisebericht: P. G. von Möllendorff. Ein Lebensbild. (1930). Er war der erste Vizeminister des Außenministeriums in Korea und hat tatsächlich von 1882 bis 1885 in Korea gelebt. Nach seinem Tod hat seine Frau die Tagebücher und die Briefe abschnittsweise redigiert und das Buch veröffentlicht. Da findet man sowohl verschiedene Erzählstrategien als auch unterschiedliche Erzählstoffe.

 

 

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