Reise in Japan

Reflexionen zum Vortrag von Andreas Niehaus: Sankin – kôtai: Hochherrschaftliches Reise auf der Tôkaidô-Route im Japan der Frühmoderne.

Der Begriff der Reise soll hier einer Prüfung unterzogen werden, die eine differenziertere Sicht erlaubt. Vorlage dienen die Ansichten von Prof. Dr. Niehaus Vortrag, die hier konkret zusammengefasst werden sollen.

 Demnach kann das Reisen in Japan in folgende drei Aspekte gegliedert werden: Reisen stellt einen konkreten Akt dar, …

1) der als politisches Machtinstrument genutzt wird.

2) welcher künstlerischen Ausdruck findet.

3) der für kulturelle Produktivität sorgt.

Damit diese drei Thesen begründet werden können, werden sie in  folgenden drei Kontexten, aus dem Vortrag, nähere Betrachtung finden:

1) nach der Gesetzmäßigkeit des ‚Sankin – kôtai‘,

2) im Gokaidô – Straßennetz,

3) während der Edo- Zeit im Japan der Frühmoderne.

Die erste These verweist auf das Gesetz ’sankin – kôtai‘, welches die ‚wechselseitige Aufwartung‘ der Fürsten verordnete. Diese Art der Reise hielt Fürsten davon ab, ihre Machtbefugnisse zu überschreiten und zu rebellieren. Nicht allein die Reise wurde zum Gesetz und damit zur Pflicht. Auch der konkrete Akt, die Art und Weise, unterlag strengen Regeln. Die Regierung bringt Kontrollmechanismen an Wegstrecken an:  die Übernachtung in Herbergen werden beschränkt und Routen werden fest gelegt. Somit hatte der Shogun immer einen annähernden Überblick darüber, an welchem Ort sich seine Fürsten aufhielten. Die Praxis des hochherrschaftlichen Reisens zwang die Fürsten sich in zwei Gruppen zu gliedern. Eine Gruppe wurde an ungeraden, die andere an gerade Jahreszahlen auf die Reise durch das Land geschickt. Durchreiste ein Fürst eine Gemeinde, war die Art und Weise seines Empfangs bis ins Detail geregelt. Auf öffentlichen Plätzen durften keine Beerdigungen abgehalten, keine Musikinstrumente gespielt oder Wäsche zum Trocken aufgehängt werden.

Das hochherrschaftliche Reisen ging prunkvoll von Statten. Es wurden festliche Gewänder angelegt und ebenso festliche Transportmittel benutzt. Die gesetzmäßige Anordnung verleiht der Art des Reisens künstlerischen Ausdruck. Genaue Regelungen legten fest, an welcher Stelle der Reisegesellschaft eine Person zu gehen hatte. Ebenso regelte diese Ordnung, welche Personen Bogen und welche Schwerter tragen sollten. Wichtigen Personen standen ‚Bodyguards‘ zur Seite, die ihr Ansehen demonstrieren und schützen sollten. Fußsoldaten trugen, mit Federn verzierte Speere vor sich her. Das Abfeuern von Musketen gehörte ebenso zu ihrem Aufgabenbereich, war jedoch nicht Jedem erlaubt. So ergibt sich eine Prozession, die musterhaft durch das Land zieht. Vorgegebene Abläufe finden so ihren künstlerischen Ausdruck. In der zweiten Hälfte entstehen hieraus die Kampfkünste, die Japan als kulturelles Element etablierte.

Die dritte These soll auf Grund der historischen Verortung Klärung finden. Die Edo-Zeit (1603 – 1867) gilt in der Geschichte Japan, als kulturelle Blütezeit. Die Kontrollmechanismen des Reisens trugen erheblich dazu bei, dass die Japaner sich ihren kulturellen Praktiken zu wandten. Die Kontrolle der Reisegesellschaft regelte demnach das friedliche Miteinander. Auf den Reiserouten wanderten   Boten, die materielle Güter transportierten. Die starke Frequentierung der Routen erforderte eine kontinuierliche Erneuerung des Straßennetze: Brückenbauten, Fähren und Straßenerweiterungen sorgten für eine Modernisierung des Straßennetzes.

Abschließend bleibt festzustellen, dass diese Reiseroute nicht nur die Menschen in Bewegung brachte. Meint man Reisen als kulturelle Praxis, im Kontext dieser Betrachtungsweise von Andreas Niehaus Vortrag, so ist damit in diesem Fall der Aufschwung einer Kultur gemeint.

Ein Beitrag von A. Gerhard

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