Städtelob und Reiseerfahrung

„Überlegungen zur Analyse spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Reisebeschreibungen des Rheins“

Ein Vortrag von Alain Michel Keller (M.A.), Universität Koblenz

Mittwoch 16.05.12, 18:15 Uhr, Raum F313

Reisende nutzen bereits seit Jahrhunderten den Rhein als Verkehrs- und Transportweg. Schon früh halten sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen in schriftlicher Form fest. Mit spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Beschreibungen dieser Wanderungen beschäftigt sich zurzeit Alain Michel Keller, Magister der Anglistik und der Geschichte, im Rahmen seiner Promotion, wobei er sich in diesem Kontext besonders mit dem Verhältnis zwischen auf der Reise gemachten Beobachtungen vormoderner Reisender und der literarischen Tradition des Städtelobs (laus urbium) befasst.
Das Städtelob gab den Autoren zum einen ein Schema an die Hand mit dem fremde Städte, deren Beschreibung neben dem simplen Auflisten der durchreisten Orte den Hauptteil der Reisebeschreibungen ausmachte, dargestellt werden konnten. Zum anderen gab das Städtelob Inhalte und Struktur der Stadtbeschreibung vor. Somit ist zu fragen, inwiefern diese literarische Tradition in den Reisebeschreibungen genuine Beobachtungen überlagert oder dazu verhilft diese zum Ausdruck zu bringen. Nach einigen theoretischen Grundlagen werden vor allem Texte von Pero Tafur, Enea Silvio Piccolomini und Johannes Butzbach zur Sprache kommen.
Der Vortrag präsentiert somit erste Überlegungen zum Promotionsprojekt Stadt, Land, Fluss, Mensch. Eine Wahrnehmungsgeschichte des Rheins am Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit. In diesem soll auf der Basis von Reiseberichten eine Wahrnehmungsgeschichte des Rheins erarbeitet werden, die durch ihre „Außenperspektive“ den Forschungsstand zu den Städten am Rhein erweitert. Darüber hinaus wird danach gefragt, wie die Natur und Menschen entlang des Rheins wahrgenommen wurden und welche Bedeutung die Reisenden diesen drei Elementen zugemessen haben. Es wird also die allgemeine Raumwahrnehmung der Reisenden analysiert, wobei besondere Aufmerksamkeit auf dem Element des Städtelobs liegt, das als zentrales zeitgenössisches Konzept zur Erfassung und Darstellung von Räumen gesehen werden kann.

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